Freitag, 6. Januar 2017

Wir sind die Spiegel Seines Lichtes - Epiphanie

Weihnachtskrippe - Pfarrkirche St. Michael, Freiburg-Haslach
Denn wir müssen ... über das Gegenwärtige hinausblicken auf das Ende ... die Geheime Offenbarung schildert uns das Ende mit den Bildern des Epiphaniefestes: Das neue Jerusalem steigt vom Himmel herab, eine bräutlich geschmückte Stadt, die weder Sonne noch Mond braucht, weil das Lamm ihre Leuchte ist. Und die Könige und Völker der Erde ziehen ein durch die nie geschlossenen Tore und bringen ihre Herrlichkeit und ihren Ruhm in die erhellte Stadt.
Gut biblisch also haben unsere Vorfahren gedacht, als sie vom "Dreikönigsfest" sprachen. Die Weisen des Evangeliums sind tatsächlich die Spitze des Zuges, in dem einst alle Könige der Erde zur Huldigung ziehen werden. Dann wird auch alle Herrlichkeit der Schöpfung, Leben, Macht, Schönheit, Weisheit zu Gott heimkehren, verwandelt, aber nicht ausgelöscht.
Es ist wahr, daß für jetzt der Mensch immer noch seine Selbstherrlichkeit suchen kann, von der die Schrift sagt, daß sie wie Gras dahinwelkt. Aber alles, was sich Gott zuwendet, kehrt auch heim. Und es kommt die Vollendung, die ungetrübte Epiphanie, der Durchbruch der Lichtherrlichkeit Gottes.
Bis dahin aber wird kein Stern mehr zu dem König führen, sondern das Licht des Herrn - soweit es widerstrahlt in Seiner Kirche und in unserem Leben. Für jetzt, sagt der Apostel, schauen wir noch wie durch Spiegel. Dann aber heißt Christsein: Wir sind die Spiegel Seines Lichtes für alle, die Ihn suchen.
Und weniger dürfen wir nicht von uns fordern! Denn der Christ ist kein Versteck und keine Zuflucht, wo sich Christus vor der bösen Welt verbirgt. Er ist das Tor, durch das der König der Herrlichkeit einziehen will. Er ist die Straße des Königs in diese unsere heutige Welt. Er ist der Herold für die Ankunft Seiner unverhüllten Herrlichkeit.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 142 f. - Bild: Weihnachtskrippe in meiner Pfarrkirche St. Michael, Freiburg-Haslach.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Ich steh' an deiner Krippe hier ...

Früher war mehr Lametta ... oder in diesem Fall: mehr Moos, mehr Detailfreude, mehr bespielte Fläche, mehr action rund um Bethlehems Stall. Trotzdem habe ich mich gefreut, heute - nach nicht wenigen Jahren - wieder einmal die Krippe in der Pfarrkirche Heilige Familie besucht zu haben; sie gilt, obschon im Vergleich zu früher weniger ausladend, noch immer als Freiburgs größte Weihnachtskrippe. Und sie erinnerte mich an eine liebe und herzensgute Frau, von der ich früher bereits einmal geschrieben hatte, Frau Magda Sennerich. Sie, schon so lange verstorben, daß ich ihr Grab vor Zeiten bereits nicht mehr fand, zählte zu den hilfreichen Geistern der Pfarrei und gehörte zu jenen Persönlichkeiten im Gesichtskreis eines kleinen Buben, die den Glauben hegten und wachsen ließen: Gott vergelte es ihr! Sie führte mich einst an diese Krippe ...

Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Weihnachtskrippe 
Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Weihnachtskrippe
Weihnachtskrippe
Freiburg - Pfarrkirche Heilige Familie - Chorraum

Samstag, 24. Dezember 2016

Gesegnete Weihnachten!

Verkündigung an die Hirten - aus dem Biblia-Pauperum-Fensterzyklus im Münster Unserer Lieben Frau, Straßburg
Bis zur Wiederkunft Christi werden keine Engel mehr kommen, um die Menschen zu Christus zu führen wie damals die Hirten von Bethlehem. Bis dahin sind wir seine Boten, und dies nicht zuerst mit Worten, sondern mit Taten der Liebe. Wir wollen nicht zuerst fragen, ob der andere auch hört, sondern ob wir durch unser Leben verkünden; nicht zuerst, ob er das Licht von Bethlehem sehen will, sondern zuerst, ob auf unserem Leben ein Abglanz dieses Lichtes ruht.
Alfred Kardinal Bengsch 
Euch allen frohe und gesegnete Weihnachten!

Advent vierundzwanzig - Es bleibt Advent

Aber solange die Erde steht, werden immer wieder die Herbergen dieser Welt für uns geschlossen sein. Zusammen mit den Menschen, die wir vielleicht zu Christus führen konnten, werden wir ausgestoßen sein. Die Spielregeln der bürgerlichen Toleranz ändern höchstens die Methoden, nicht die Sache. Und auch die mildeste Form der Ablehnung ändert nichts daran, daß Christus radikal abgelehnt wird.
Das bleibt so, bis der Herr wiederkommt, um uns heimzuholen. Die Herbergen dieser Erde bleiben geschlossen, damit wir nicht vergessen, wo unsere ewige Heimat ist. Die Kirche bleibt in der Knechtsgestalt, damit sie nicht vergißt, daß ihre Verherrlichung noch aussteht. Es bleibt Advent, weil Christus noch einmal kommen muß, das Werk der Erlösung zu vollenden ...
Wir beobachten das langsame Sterben der Gemeinden, wir hören von Priestermangel und von immer seltenerem Sakramentenempfang. Wir spüren die Ohnmacht unserer christlichen Verkündigung in der Öffentlichkeit. Ach, und noch tausend andere Sorgen drücken uns, nicht zuletzt die um die eigene Unzulänglichkeit.
Es ist ein Trost, zu wissen, daß dies alles Gesetz unserer Pilgerschaft ist, nicht der Anfang vom Ende, oder vielmehr: Es ist der kümmerliche Anfang des herrlichen Endes, es ist die schmerzliche Zeit der Saat für den großen Erntetag. Es macht nichts, wenn man uns auf die Straßen weist. Wer den Herrn trägt, für den führen alle Straßen heimwärts in das ewige Vaterhaus. Und es mögen noch so verlassene Straßen sein: Wir sind niemals allein.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 45.

Freitag, 23. Dezember 2016

Advent dreiundzwanzig - Advent Mariens

Als der Engel zu ihr trat, war Maria allein, nicht nur zufällig und nicht nur äußerlich, sondern als die aus allen Menschen erwählte einsame Partnerin des Wortes Gottes.
Seit Adams Fall hat der Geist Gottes auf vielfache Weise diese Stunde herbeigeführt, er hat eine Tochter Adams auf diese einsame Höhe geführt, wo nun die Engel des Himmels dem Zwiegespräch lauschen und die Antwort aus dem Munde der Jungfrau vernehmen, die Gottes Geist ermöglicht hat: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort". Dann aber führte der Geist Gottes Maria zu den Menschen, und sie eilt über die Berge.
Jetzt, da sie den Herrn trägt, darf und muß sie heraus aus der einsamen Kammer. 
Es ist fast, als wollte der Heilige Geist nicht abwarten, bis der menschgewordene Sohn selbst die frohe Botschaft den Armen verkündet, nicht einmal, bis die Engel an der Krippe die Botschaft von der Geburt des Heilands verkünden. Er sucht einen Mund, der den Herrn begrüßt noch im Mutterschoße. Darum ist der Advent Mariens beides: Einsamkeit im Heiligen Geist und Gemeinschaft im Heiligen Geist.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 38.