Sonntag, 11. Dezember 2016

Advent elf - Freude. Im Herrn.

Nach altem Herkommen steht der dritte Sonntag im Advent im Zeichen der Freude: Gaudete! "Freut euch!" Dieser Aufruf zur Freude geht auf Worte zurück, die der hl. Paulus an die Gemeinde von Philippi schrieb; Paulus befand sich zu jener Zeit in römischer Untersuchungshaft und blickte einer ungewissen Zukunft entgegen ... und schrieb dennoch:
Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals will ich es sagen: Freut euch. Eure Freundlichkeit werde allen Menschen bekannt: Der Herr ist nah. Sorgt euch nicht. Nein: In allem sollen durch das Gebet und das Flehen unter Danksagung eure Bitten vor Gott sich bekunden. Und der alles Denken übersteigende Friede Gottes wird in Eins mit dem Messias Jesus eure Herzen und eure Gedanken schirmen (Phil 4, 4-7).
Wenn wir diese Worte heute hören, dann scheint mir eine Wendung deswegen besonders bemerkenswert, weil wir sie in religiöser Routine vielleicht rasch überlesen. Es ist die Rede von der Freude ... im Herrn!

Die Freude des Christen ist kein rein weltlich Ding', keine nur vom zeitverhafteten Grund eines glückvollen Augenblicks abgeleitete Gemütsbewegung. Die Freude des Christen hat immer einen Bezugspunkt, aus dem sie sich speist und zu dem sie zurückkehrt: Christus, den Retter, den Herrn: Freut euch im Herrn allezeit!

Die Freude des Christen steht daher im Gefolge der Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Sie helfen uns, Gottes in unserem Alltag gewahr zu werden und unser Leben unter seinen Willen zu stellen - im Vertrauen darauf, daß Gott alles zu einem guten Ende führen wird, selbst noch unser Versagen, wenn wir nur von ihm nicht lassen ... "Sattwerden oder hungern, in Fülle leben und darben. Alles verkrafte ich in dem, der mich stärkt" schreibt Paulus einige Verse später an die Christen von Philippi (Phil 4, 12 f.).

Daraus ergibt sich, daß Freude eine Grundhaltung des Christen ist. Sie hilft ihm, sich seine Welt und sein Schicksal zu erschließen und zu gestalten. Als Grundhaltung kann sich diese Freude, und auch dies scheint mir zu bemerken wichtig, sehr unterschiedlich äußern, vom stillen in sich hinein Lächeln bis zum Ausflippen; ein introvertierter Christ kann ebenso von Freude erfüllt sein wie sein extrovertierter Banknachbar.

Wenn nun Paulus schreibt "Eure Freundlichkeit werde allen Menschen bekannt", dann meint er hier die sichtbare Seite unsere Freude: Freundlichkeit unseren Mitmenschen gegenüber. Keine hölzerne Benimmbuch-Etikette, kein dauernd überzogenes Chichi, keine Bussi links, Bussi rechts-Kumpanei, keine Ich-umarm-die-ganze-Welt-Attitüde, sondern ein wohlmeinendes Herz für den Nächsten, das das Gute sieht und das Böse nicht ausblendet, das mit den Frohen froh sein und mit den Trauernden weinen kann, das für die Sünder betet und weiß, daß jeder Mensch ein Kind Gottes ist: Freut euch ... im Herrn ... allezeit!

 Der heutige Beitrag ist Teil des blogozösanen Adventskalenders 2016, in dem sich hier bis Heiligabend noch manch weiteres Türchen öffnen läßt. Gestern füllte Claudia von Katholisch? Logisch! hier ein Fenster, morgen geht es bei Heike auf Heikes Blog hier weiter.

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