Montag, 16. Mai 2016

Tagessplitter: Glückwunsch, Herr Kardinal!

Da hörte ich heute morgen auf DRadio Kultur die nicht ganz glücklich gewählte Schlagzeile "Abschied von Lehmann" ... Wie? Ist der gestorben? Keineswegs, aber er wird 80 Jahre alt und räumt seinen Bischofsstuhl - endlich, mag man hinzufügen. Jedenfalls singt und lacht man heute zu Mainz dem Kardinal, der dazu eine Messe feiert und sich anschließend in einem Festakt Lob aufs Brot schmieren lässt, wobei EU-Blökbärtchen und Blockwart Schulz eine Probe seines pan(n)egyrischen Talentes entbot. 
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Der Schulz? Genau ... der Martin Schulz, der zum Beispiel Kreuze aus dem öffentlichen Raum räumen will und der für das "Recht" einsteht, Kinder abtreiben zu dürfen, genau der hält eine laudatio auf Lehmann. Weniges scheint mir deutlich peinlicher bezeichnend für das, was zuweilen “Lehmann-Kirche“ geheißen wird. Schulzens Rede, übliches EU-Blabla deutscher Provenienz von der Stange. gipfelte in einer ...
... Frage, die ich eben Ihnen, lieber Kardinal Lehmann, stellen möchte: Warum, so frage ich uns, warum haben wir unseren Glauben an uns selbst verloren?
Nun weiß ich nicht, ob der Kardinal darauf geantwortet hat ... aber wie ich diesen Kardinal einschätze, hätte er ohnehin nicht die Antwort gegeben, die ich von einem Kardinal erwarten würde. Und für Schulz ist Glaube an Gott sowieso reine Privatsache und gehört nicht in die Öffentlichkeit.
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Der Festakt stand nur geladenem Gesocks, korrigiere ... geladenen Gästen offen. Ebenso wie die Messe vornweg. Was mich an die Unsitte erinnert, bei bestimmten Anlässen das heilige Mysterium nicht vor dem Volk Gottes zu feiern, sondern vor den üblichen Volksvertreten “aus Politik, Medien und Kultur“ und weiterer höchst wichtiger Pimmelprominenz. Diese Praxis stößt mir immer wieder auf, zuletzt auch bei der Weihe von Stephan Burger zum Freiburger Erzbischof; da bedurfte man aber wenigstens keiner Eintrittskarte für die Katzenplätze, die übrig waren, nachdem alle hochwichtigen Wichtigkeiten ohne Ansehen religiöser Bindungen ihren Hintern in den Münsterbänken parken konnten.
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Ohne Eintrittskarte kam man in Mainz an den Türstehern nicht vorbei in den Dom. Was wohl Jesus dazu sagen würde? So eine Bäh-Frage verkneift man sich beim Hochamt des deutschen Systemkatholizismus besser, weil eh nur die Ewiggestrigen betrifft, was Jesus heute sagen würde. Sei's drum - meines Dafürhaltens reichte es jedenfalls völlig, den hundert Allerhöchstwichtigsten ein paar Bänke freizuhalten; die B-Promis können sich ebenso gut unters Volk mischen, statt wie im Theater Plätze zugeschanzt zu bekommen. Der Applaus schwoll jedenfalls kräftig bei der großen dernière zum Spielzeitende der Lehmann-Kirche, ausverkauft in jeder Hinsicht. Meinen Glückwunsch, Herr Kardinal!

Kommentare:

KH hat gesagt…

Deo gratias!
Nur was kommt danach?????

Einen Sonnenstrahl gab es; Es kamen weniger als 1000 Leute, um den Gottesdienst im Freien zu verfolgen und zwar aus dem ganzen Bistum!!!
Das war dem Kardinal anscheinend zu wenig, um sich im Anschluß an den Gottesdienst persönlich von dem "Pöbel" zu verabschieden.

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

„Pimmelprominenz“! Aber, aber Herr Prospesalutis! Mit solchen Worten machst du dich nur in den Kreisen unbeliebt, von denen du gelesen werden möchtest.

Aber zum Kernstück deines Artikels: Des Teufels Kardinal wird auch weiterhin Gift und Galle spucken, hat er versprochen; sobald ihn jemand um seine Meinung fragt, wird er sie sagen. Der kann nicht anders, wie ein aufgezogenes Uhrwerk.

Felicitas hat gesagt…

Die Kirche in Deutschland untergeht einer harten afrikanischen Wüstezeit, ¿oder sollte ich besser sagen einer germanischen Wüstezeit? Wie unsere liebe Himmelsmutter uns in Fatima geraten hat, müssen wir alle mehr beten und büssen.
Wir danken Gott unseren Herren für die guten Zeugnisse der Christen in Deutschland, die viel Geduld und auch viel Liebe Gottes haben.

Kirchfahrter Archangelus hat gesagt…

Vox Populi – Vox Dei: Ein Taxifahrer wurde vor Jahren im Radio zum Kardinal befragt. Dessen geniale Antwort: „Das ist ein Kardinal für die Welt“. Vielleicht hat der von den >Brüdern< hochgeehrte Kirchenfürst - der ja 2007 im SWR öffentlich verkündete, dass er nicht an die Kirche glaube („Credo“ kennt er also nur als Deodorant?) - nachdem die Lobhudeleien der Ohrenbläser verklungen sind, die Zeit, einen Blick in den Jakobusbrief zu werfen, Kapitel 4, Vers 4: „Ihr Ehebrecher, wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der wird zum Feind Gottes.“

Andreas hat gesagt…

Danke für die Rückmeldungen!

ad 1:
Der Kardinal ist wahrscheinlich so volksnah (unsere Medien feiern ihn jedenfalls auch dafür), daß er sich persönlich schon garnicht mehr zeigen muss.

ad 2:
Ein Schelm (oder soll ich sagen: ein Theo?), der Arges dabei denkt. Das Wort deucht mich ziemlich harmlos im Vergleich zu gewissen Pornoplakaten, die hier aktuell an Haltestellen rumhängen. Außerdem sind Alliterationen doch was Schönes und Besuche in Buchenbach bei mir meldepflichtig ... ;-)

ad 3:
Gewiß ist es wichtig und am wichtigsten, zu beten. Solange wir darüber nicht die Hände in den Schoß legen. Denn das Heilige Pneuma, das uns geschenkt wird, will nicht nur von uns im Gebet gesucht werden, sondern auch durch uns wirken.

ad 4:
"Credo in unam sanctam catholicam et apostolicam ecclesiam" - wenn der Kardinal das nicht mittragen kann, hätte er schon früher seinen Hut nehmen sollen; oder besser noch: selbigen abgeben.

Felicitas hat gesagt…

Wenn wir richtig beten, sind unsere Hände die Hände Christi, unsere Stimme, die Stimme Christi, unsere Arbeit, die Arbeit Christi und alles in unserem Leben spricht von Ihm, da Er in uns lebt und agiert.
Liebe Grüsse.

Johannes hat gesagt…

Da fällt mir - natürlich - Giblert Keith Chesterton ein "Ich erinnere mich, dass ich einmal mit einem wohlhabenden Verleger spazieren ging und der eine Bemerkung machte, die ich schon oft zu hören bekommen hatte; fast kann man sie als Motto der heutigen Welt ansehen … Der Verleger äußerte über jemanden: „Dieser Mann wird es weit bringen; er glaubt an sich.“ Und ich erinnere mich, dass, als ich lauschend den Kopf hob, mein Blick auf einen Omnibus fiel, auf dem der Name „Hanwell“ [Anmerkung: eine psychiatrische Anstalt in London] stand. Ich sagte zu ihm: „Wollen Sie wissen, wo sich die Leute befinden, die am meisten an sich glauben? Ich kann es Ihnen sagen.“

Anonym hat gesagt…

Eigentlich lese ich Ihren Blog gerne. Die Hinweise auf die Liturgie,gerade auch die vor der "Reform", auf Reinhold Schneider, auf Schriftteller und Kirchenväter,die Fotos - und dann solche Schläge unter der Gürtellinie. Wer darf es sich hienieden erlauben, in dieser Weise über einen Mitchristen wie den Herrn KArdinal zu richten?

Die Kommentare sind dann noch viel schlimmer.

Das ist ja lichtscheues Gerede, lieblose Gemeinheit, und auch völlig unangebrachtes Urteilen. Wenn man das liest und es für konservativen Katholizismus hält, könnte man nur vor Scham in den Boden versinken.

Arminius hat gesagt…

Warum haben Sie sich das angetan, eine Rede von Kappo Schulz anzuhören oder zu lesen?

Andreas hat gesagt…

Danke auch für die kritische Einrede!

Den Stab - jenen bestimmten Stab - über den Kardinal zu brechen, steht mir gewiss nicht zu. Das zu tun oder zu lassen ist Sache dessen, der kommen wird, Gericht zu halten über Lebende und Tote, über Kardinäle ebenso wie über Blogger.

In diesen Tagen, in denen Kardinal Lehmann Lob genug empfängt, scheint es mir nicht unverschämt, den diversen laudationes einige kritische Spitzen zur Seite zur stellen; die Fakten selbst sind ja nicht an den Haaren herbei gezogen, sowohl was die Entwicklung der Katholischen Kirche in Deutschland in den letzten Jahrzehnten betrifft, als auch, was die konkreten Feierlichkeiten angeht, derer wir am Wochenende ansichtig geworden sind. Eine Messe nur mit geladenen Gästen - was soll das? Eine Lobrede ausgerechnet von einem der wichtigsten Laizisten deutscher Zunge - was sagt das?

Zuletzt, auch das muß zuweilen betont werden: Ein blog ist eine private Seite und wird gemeinhin geschrieben, weil der Schreibende einige Dinge aus seinem Leben mit anderen teilen will. Das kann Freude an der heiligen Leiturgia sein, das kann Interesse am Werk Reinhold Schneiders sein, Bilder, was auch immer ... zuweilen aber auch Verärgerung und Mißbill.

Daran kann man sich stören - und auch das ist legitim. Auch Glaube und Bekennen brdürfen zuweilen des streitbaren Wortes. Ich hoffe, Sie bleiben dieser Seite dennoch gewogen.

Tarquinius hat gesagt…

Reinhold Schneider, Liturgie, Bilder ... ?! Also ich tue mir diese Seite nur wegen der Schläge unter die Gürtellinie an ... *duckundwech*